
Kurz bevor man Rom auf der Via Flaminia in nördlicher Richtung verlässt, in der Nähe des verschlafenen Bahnhofs von Sacrofano, sieht man rechts ein großes Ziegelgebäude. Es lohnt sich noch einmal umzudrehen, über den kleinen Bahnübergang zu fahren und sich dieses Anwesen etwas genauer anzuschauen. Denn hier handelt es sich, auf den ersten Blick kaum sichtbar, um das Denkmal für eines der wichtigsten weltgeschichtlichen Ereignisse.
Was heute wie ein eigenartig überdimensioniertes Landhaus aussieht, war ursprünglich ein monumentaler römischer Triumphbogen. Später wurden daraus eine Kirche, eine Festung, ein Bauernhaus und schließlich eine Poststation. Mehr als 1.700 Jahre Geschichte verbergen sich hinter den unscheinbaren Mauern.
Konstantin und die Schlacht an der Milvischen Brücke
Am 27. Oktober 312 soll hier Kaiser Konstantin, einen Tagesmarsch vor Rom, sein Heerlager aufgeschlagen haben. Konstantin war zu diesem Zeitpunkt einer von mehreren Herrschern des Römischen Reiches und kontrollierte vor allem Britannien, Gallien und Teile Germaniens. Doch er strebte nach der Macht über das gesamte Reich. Und so zog er mit seinem Heer gegen seinen Widersacher, Kaiser Maxentius, der in Rom residierte und Italien sowie Nordafrika beherrschte. Auf seinem Weg nach Süden hatte Konstantin bereits mehrere Siege errungen. Nun stand er unmittelbar vor Rom.
Maxentius hatte sich auf die Verteidigung der Hauptstadt vorbereitet. Seine Truppen erwarteten Konstantin nördlich des Tibers, im Gebiet von Saxa Rubra, etwa dort, wo sich heute die Studios der RAI befinden. Die genauen militärischen Bewegungen lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Offenbar hatte Maxentius den Ponte Milvio unpassierbar machen lassen und eine provisorische Brücke errichten lassen, über die seine Truppen den Fluss überqueren konnten. Der Plan war, die Armee von Konstantin am Tiber einzukesseln.

Doch es kam anders als erwartet. Am 28. Oktober 312 gerieten die Verteidiger Roms in die Defensive und standen schließlich mit dem Rücken zum Tiber. Beim Rückzug brach die Ordnung zusammen. Maxentius selbst stürzte im Tumult in den Fluss und ertrank. Konstantin feierte einen grandiosen Sieg. Er ließ den Leichnam von Maxentius bergen, ihm den Kopf abschlagen und diesen in Rom und später in Nordafrika zur Schau stellen.
Heute wird dieser Sieg auch mit dem Durchbruch des Christentums in Verbindung gebracht. Was ist daran wahr?
In diesem Zeichen wirst du siegen
Nach einer späteren Überlieferung soll Konstantin hier in Malborghetto, einen Tag vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke, seine berühmte Vision gehabt haben. Die antiken Quellen nennen allerdings keinen genauen Ort.
Nach der späteren Überlieferung des christlichen Schriftstellers Eusebius erschien ihm am Himmel ein leuchtendes Kreuz mit der Verheißung, durch dieses Zeichen zu siegen. Bekannt wurde die Geschichte durch die lateinischen Worte In hoc signo vinces – In diesem Zeichen wirst du siegen.
Der christliche Schriftsteller Lactantius, der den Ereignissen zeitlich näherstand, berichtet dagegen von einem Traum in der Nacht vor der Schlacht. Konstantin sei aufgefordert worden, die Schilde seiner Soldaten mit einem himmlischen Zeichen zu versehen. Daraufhin ließ er ein christliches Symbol auf den Schilden anbringen. Die beiden Berichte stimmen also nicht vollständig überein.

Der „Sieg“ des Christentums war jedoch eher ein schleichender Prozess. Bereits im Jahr zuvor hatte Kaiser Galerius die staatliche Christenverfolgung offiziell beendet. Im Jahr 313 vereinbarten Konstantin und Licinius in Mailand eine weitreichende Religionsfreiheit. Erst unter Kaiser Theodosius wurde das Christentum gegen Ende des 4. Jahrhunderts zur privilegierten und schließlich staatlich vorgeschriebenen Religion. Die Gesetze von 391 und 392 richteten sich insbesondere gegen die traditionellen heidnischen Kulte.
Bei der Schlacht an der Milvischen Brücke ging es also zunächst mehr um die Macht im Reich als um den Kampf für eine Religion. Dennoch hatte Konstantins Sieg weitreichende Folgen für die Geschichte Europas.
Der römische Triumphbogen
An der Stelle, an der Konstantin sein Heerlager aufgeschlagen haben soll, entstand wahrscheinlich im frühen 4. Jahrhundert ein großer Ehrenbogen. Seine Errichtung wird häufig mit dem Sieg über Maxentius in Verbindung gebracht. Ob er noch zu Lebzeiten Konstantins oder erst später erbaut wurde, ist allerdings ungewiss. Eine Bauinschrift, die den Auftraggeber eindeutig benennen würde, ist nicht erhalten.
Es handelt sich um einen sogenannten Arcus quadrifrons, einen vierseitigen Ehrenbogen, der sich in alle vier Himmelsrichtungen öffnete. Er war vergleichbar mit dem wenig später entstandenen Janusbogen am Forum Boarium in Rom. Der rechteckige Bau überdachte die Kreuzung der Via Flaminia mit einer Straße, die von der alten etruskischen Stadt Veji zum Tiber führte.
Das monumentale Bauwerk war fast 18 Meter hoch. Sein Kern bestand aus vier mächtigen Ziegelpfeilern, die durch Tonnengewölbe miteinander verbunden waren. Über der Kreuzung erhob sich ein Kreuzgewölbe. Den oberen Abschluss bildete eine Attika mit flachem Dach.
Ursprünglich war der gesamte Bau mit weißem Marmor verkleidet. Korinthische Säulen schmückten seine Fassaden. Man muss sich also anstelle des heutigen schlichten Ziegelgebäudes ein prächtiges Monument vorstellen, das den Reisenden auf der Via Flaminia schon von Weitem ins Auge fiel.
Von der Marmorverkleidung ist heute fast nichts mehr übrig. Die vier großen Bögen wurden im Laufe der Jahrhunderte zugemauert, sind aber in den Außenwänden noch deutlich zu erkennen.

Vom Triumphbogen zur mittelalterlichen Kirche
Im Mittelalter hatte der Triumphbogen seine ursprüngliche Bedeutung längst verloren. Seine kostbare Marmorverkleidung wurde nach und nach entfernt und vermutlich für andere Bauwerke verwendet.
Im 11. Jahrhundert wurden die vier Bögen geschlossen und der Bau in eine Kirche umgewandelt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Via Flaminia verlegt, die nun westlich am Gebäude vorbeiführte.
Die Kirche erhielt einen Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes, dessen vier Arme ungefähr gleich lang waren. Auf der Ostseite wurde eine Apsis angebaut. Zwei Fenster aus dieser Zeit sind noch erhalten.
Welchem Heiligen die Kirche ursprünglich geweiht war, ist nicht eindeutig geklärt. In mittelalterlichen Quellen begegnet später die Bezeichnung San Nicola de Arcu Virginis, die auf den heiligen Nikolaus verweist.
Besonders bemerkenswert ist, dass die mittelalterlichen Baumeister den antiken Triumphbogen nicht abbrachen, sondern ihn für ihre Zwecke nutzten. Die mächtigen römischen Ziegelpfeiler bildeten weiterhin das tragende Gerüst des Gebäudes. So blieb der antike Baukörper erhalten, obwohl seine ursprüngliche Funktion längst vergessen war.

Die Festung der Orsini und Colonna
Im 13. Jahrhundert entstand um die ehemalige Kirche eine befestigte Siedlung. Bereits 1256 wird ein Burgus, also eine befestigte Siedlung, erwähnt, die sich zeitweise im Besitz der Familie Orsini befand.
Die Adelsfamilie hatte den ehemaligen Triumphbogen zu einer Festung ausgebaut, um die wichtige Via Flaminia kontrollieren zu können. Der Bau wurde in eine größere Befestigungsanlage mit Mauern und Türmen einbezogen. Reste dieser Befestigungsmauern sind heute noch sichtbar.
1278 gelangte der befestigte Ort in den Besitz des Kapitels des Petersdoms.
Im 14. Jahrhundert spielte Malborghetto weiterhin eine Rolle als Station an der Via Flaminia. Für 1350 wird überliefert, dass hier Marmor aus den Ruinen von Veji gesammelt wurde, bevor man ihn zum Bau des Doms von Orvieto abtransportierte.
Traditionell wurden hier auch Kardinäle auf ihrem Weg nach Norden verabschiedet oder wichtige Besucher Roms begrüßt.
Im Jahr 1485 wurde Malborghetto erneut zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den mächtigen römischen Adelsfamilien Colonna und Orsini.
Mitglieder der Familie Colonna hatten sich in der Festung verschanzt. Den gegnerischen Orsini gelang es schließlich mit Unterstützung von Bewohnern des nahen Sacrofano, die Anlage anzugreifen und in Brand zu setzen.
Die Zerstörung vom 10. Dezember 1485 leitete das Ende Malborghettos als befestigter Ort ein. Die umliegende Siedlung verfiel, und aus der einstigen Festung wurde allmählich ein ländliches Anwesen. Damit wird auch die Bezeichnung Malborghetto, etwa „schlechtes Dörfchen“, in Verbindung gebracht. Später sollen sich hier zeitweise Straßenräuber aufgehalten haben. Obwohl der Komplex in der Folge die verschiedensten Nutzungen und offiziellen Namen hatte, blieb der Name Malborghetto an ihm haften.

Das Casale di Malborghetto
Nach der Zerstörung blieb der ehemalige Triumphbogen erhalten. Er verlor jedoch endgültig seine militärische Bedeutung und wurde nun als Landhaus genutzt, als Casale di Malborghetto.
Seit 1495 wurde das Anwesen an Privatpersonen verpachtet. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es hier eine Gastwirtschaft mit Unterkunft für Reisende.
Die Via Flaminia gehörte weiterhin zu den wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Rom und Norditalien. Pilger, Händler, Geistliche und Gesandte waren auf dieser Straße unterwegs. Besonders für Reisende auf dem Weg nach Rom oder zum Marienheiligtum von Loreto bot Malborghetto einen willkommenen Rastplatz.
Sein heutiges Aussehen erhielt das Gebäude weitgehend durch einen Umbau im Jahr 1567. Damals ließ der Mailänder Gewürzhändler und Apotheker Costantino Petrasanta das alte Bauwerk gründlich umgestalten. Er schuf aus dem ehemaligen Triumphbogen ein stattliches, mehrgeschossiges Landhaus. Neue Fenster wurden eingesetzt, die Innenräume verändert und die antiken Bögen endgültig in die Außenwände integriert.
Im 18. Jahrhundert diente das Anwesen zeitweise als Poststation an der Via Flaminia. Hier konnten Reisende Rast machen und Pferde gewechselt werden.
Die ursprüngliche Bedeutung des Gebäudes war inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten. Für die Menschen, die hier lebten und arbeiteten, war Malborghetto vor allem ein altes Landhaus an einer viel befahrenen Straße.

Die Wiederentdeckung des antiken Bauwerks
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die antike Herkunft des ungewöhnlichen Gebäudes wieder genauer untersucht.
Eine wichtige Rolle spielte dabei der junge deutsche Archäologe Fritz Toebelmann. Er erkannte bei seinen Untersuchungen, dass sich hinter den späteren Umbauten ein monumentaler römischer Vierbogenbau verbarg. Durch die Untersuchung der Ziegelmauern, der Gewölbe und der erhaltenen Architekturteile ließ sich die ursprüngliche Gestalt des Bauwerks rekonstruieren.
Toebelmann konnte seine Forschungen allerdings nicht mehr selbst abschließen. Er fiel am 23. August 1914 bei Mons in Belgien, nur wenige Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Seine Untersuchungen wurden später veröffentlicht und bildeten eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung Malborghettos.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude eingehender untersucht und restauriert. Dabei zeigte sich, wie viel von dem antiken Triumphbogen trotz aller Umbauten erhalten geblieben war.
1982 ging die Anlage in staatlichen Besitz über. In den folgenden Jahren wurde das Casale restauriert und als archäologisches Museum eingerichtet.

Das heutige Antiquarium
Heute beherbergt das Casale di Malborghetto ein kleines Antiquarium, in dem archäologische Funde aus der Umgebung der Via Flaminia und der Via Cassia ausgestellt werden. Im angrenzenden Gelände sind unter anderem antike Grabsteine zu sehen, die an die zahlreichen Gräber und Grabmonumente entlang der großen römischen Ausfallstraßen erinnern. Auch die mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte des Ortes wird durch Funde dokumentiert.
Wie lebendig die archäologische Forschung noch immer ist, zeigte eine Ausstellung über die Geschichte der Pilger an der Via Flaminia, die 2025 eröffnet und bis Juni 2026 verlängert wurde. Zu sehen waren unter anderem Münzen, Pilgerzeichen, Kleidungsbestandteile und persönliche Gegenstände von Reisenden. Erstmals wurden dort auch militärische Funde aus dem Bereich des Ponte Milvio präsentiert, die in das 4. Jahrhundert datiert werden und möglicherweise mit der Schlacht zwischen Konstantin und Maxentius zusammenhängen.
Das eigenartige Landhaus, das heute von der Via Flaminia durch die Bahnstrecke Rom–Viterbo getrennt ist, ist also weit mehr als eine Wegmarke an der nördlichen Stadtgrenze Roms. Es ist ein Bauwerk, das die Geschichte von der Spätantike über das Mittelalter bis in die Neuzeit in sich vereint. Ein römischer Triumphbogen wurde zur Kirche, zur Festung, zum Landhaus und zur Poststation.
Literatur und Quellen
- Soprintendenza Speciale Archeologia Belle Arti e Paesaggio di Roma, L’Arco di Costantino a Malborghetto. https://soprintendenzaspecialeroma.it/luoghi/arco-di-malborghetto/
- Ministero della Cultura, Arco di Costantino – Malborghetto. https://cultura.gov.it/luogo/arco-di-malborghetto
- Ministero della Cultura, Primo Maggio apertura festiva di Arco di Malborghetto, 2023. https://cultura.gov.it/evento/primo-maggio-apertura-festiva-di-arco-di-malborghetto
- Soprintendenza Speciale di Roma, Malborghetto: memorie archeologiche di pellegrini e giubilei, 2026. https://soprintendenzaspecialeroma.it/istituzionale/malborghetto-memorie-archeologiche-di-pellegrini-e-giubilei-mostra-prorogata/
- Parco di Veio, Guida archeologica, 2021, S. 48. https://parcodiveio.it/wp-content/uploads/2021/10/GUIDA-ARCHEO-2021.pdf
- Lactantius, De mortibus persecutorum, 44.
- Eusebius von Caesarea, Vita Constantini, I, 28–32.


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