Pons Neronianus – Die Nerobrücke

Reste des Pons Neronianus

Die sogenannte Nerobrücke in Rom ist derzeit in allen Schlagzeilen. Wegen des niederen Wasserstandes des Tibers sind die Reste dieser antiken Steinbrücke aktuell im Bett des Flusses, der durch Rom fließt, sichtbar. Dies ist jedoch keine sensationelle Neuentdeckung. Die Brücke war immer bekannt und war auch die letzten Jahre oft zu sehen. Man musste nur über die Brüstung des Ponta Vittorio Emanuel II blicken. Die Fotos im Beitrag habe ich bei Niedrigwasser 2017 gemacht.

Versuchen wir also, mehr über diese Brücke zu erfahren: Was wissen wir, und was bleibt Spekulation?

schematischer Plan der Brücken

Erbauungsdatum

Wir wissen nicht genau, wann die Brücke gebaut wurde. Sicher ist, dass sie mit den luxuriösen Villen und Parks auf der rechten Tiberseite in Verbindung stand, für die eine Anbindung an die Stadt notwendig war. Besonders hervorzuheben sind die Horti Agrippinae, die Gärten der Vipsania Agrippina, einer Enkelin von Augustus. Nach Ihrem Tod übernahm ihr Sohn, der spätere Kaiser Caligula die Anlage und ließ dort einen Circus für Wagenrennen errichten. Es liegt nahe, dass er für dessen Anbindung auch unsere Brücke errichtete. Wir lägen damit im Bereich 33 – 41 n.Chr.
Ob die Brücke erst unter dem späteren Besitzer von Gärten und Circus, Nero, fertiggestellt wurde, ist nicht auszuschließen. Es gibt dafür aber keinen Beleg.

Der Circus bekam seine Bedeutung dadurch, dass Petrus dort gekreuzigt worden sein soll. In seinem Bereich steht heute der Petersdom.

Ponte Vittorio Emanuele II, von der Engelsbrücke fotografiert

Name der Brücke

Auch beim Namen der Brücke kommen wir ins Schwimmen, denn tatsächlich wurde die Brücke im Laufe der Zeit mit einer Reihe unterschiedlicher Namen bezeichnet.

Pons Neronis oder Pons Neronianus nach Nero, auch wenn wir gar nicht wissen, ob Nero an ihrem Bau überhaupt beteiligt war. Möglicherweise ist diese Bezeichnung auch erst mittelalterlich, sie taucht erstmals in den Mirabilia des 12. Jahrhunderts auf. In dieser Zeit wurde das ganze Gebiet rechts des Tibers mit Nero (und dem Martyrium Petri) in Verbindung gebracht.

Pons Vaticanus nach dem Ager Vaticanus. Der hatte damals noch keine kirchliche Bedeutung, sondern war eine reine Landschaftsbezeichnung.

Pons Triumphalis, da hier die Via Triumphalis endete über die siegreiche Feldherrn in die Stadt einzogen.

Im Mittelalter hieß die Brücke schlicht Pons ruptus, also zerstörte Brücke. Oder eben genauer: pons Neronis id est pons ruptus ad S. Spiritum in Sassia, also Pons Neronis, die die zerstörte Brücke bei S. Spirito in Sassia ist.

Wie die antiken Römer die Brücke nannten, wissen wir nicht.

Heute hat sich durchgesetzt, dass man auch in der Wissenschaft von der Brücke Neros spricht, obwohl niemand weiß, ob dieser Kaiser überhaupt etwas mit ihr zu tun hatte.

Ponte Vittorio Emanuele II mit Resten des Pons Neronianus

Konkurrenz

134 n.Chr. bekam die Brücke Konkurrenz. In einem Abstand von nur etwas mehr als 150 m erbaute Kaiser Hadrian den Pons Aelius als Zugang zu seinem riesigen Mausoleum. Die Brücke ist heute als Engelsbrücke, das Mausoleum als Engelsburg bekannt. Künftig ging ein großer Teil des Verkehrs über diese Brücke und die Brücke (sagen wir der Einfachheit halber) des Nero verlor an Bedeutung.

Als 271 n.Chr. Kaiser Aurelian begann, eine Stadtmauer um Rom zu bauen, war das ein weiterer Schlag für die Brücke. Denn während der Pons Aelius mit der Porta Cornelia einen Ausgang ins Umland erhielt, hatte der Pons Neronianus kein entsprechendes Stadttor. Der Circus und das Gebiet des Vatikan blieben vor der Mauer. Möglicherweise gab es noch einen kleinen Auslass zur Via Triumphalis, aber bald ist nur noch vom Pons Aelius als Zugang zum Petrusgrab die Rede.

Im Plan von Gianbattista Nolli, 1748, wird die Brücke als ponte Trionfale bezeichnet.

Ruine

Damit wurde die Brücke Ende des 3. Jahrhunderts vom Verkehr abgeschnitten und verlor ihre Bedeutung. Spätestens im 5. Jahrhundert war die Ruine des Pons Neronianus nicht mehr passierbar.

Noch 1754 hielt Giuseppe Vasi in seinen „Vedute di Roma“ beachtliche Reste der Brückenpfeiler fest. Erst mit der Eindeichung und Kanalisierung des Tibers ab 1876 wurden die Pfeiler entfernt. Erhalten blieben lediglich die Fundamente, die bei Niedrigwasser gut sichtbar sind.

Quellen:
Berliner Morgenpost vom 13. August 2026
Romaimpero.com
Romasegreta.it
Lacus Curtius

Stich von Giuseppe Vasi, 1754, mit den Resten der Pfeiler im Fluss
Reste des Pons Neronianus
Das Gegenteil von Niedrigwasser:
Hochwasser 2012 an der Engelsbrücke

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