
Ich habe heute die Kirche Santi Michele e Magno besucht, die besser bekannt als Friezenkerk ist, die Nationalkirche der Friesen und Niederländer. Eine uralte Kirche, die direkt neben dem Petersplatz liegt aber trotzdem so versteckt ist, dass sie kaum jemand findet.
Am Beginn des Borgo Santo Spirito findet man hinter einem barocken Torbogen die Treppe, die hinaufführt. Ein ironischer Geist setzte die Friesenkirche auf einen steileren Hügel in Rom, als es ihn in ganz Friesland gibt.

Gründung der Kirche
Das Gotteshaus, ursprünglich nur dem Erzengel Michael geweiht, ist bereits im 9. Jahrhundert gesichert und gehörte zu einer Stiftung, die sich um friesische Pilger in Rom kümmerte. Die Schola Frisonum war die zweite Einrichtung dieser nach der Schola Francorum in der fränkische Pilger Unterkunft und Versorgung bekamen.
864 half ein Trupp Friesen Papst Nikolaus beim Kampf gegen die Sarazenen. Sie retteten die Gebeine des Heiligen Magnus aus der bedrohten Stadt Veroli südlich von Rom und brachten die Reliquien in ihre Kirche, die nun ein zweites Patronat bekam. Dieser Magnus kam aus Apulien, wirkte in der Landschaft Ciociaria und soll im 3. Jahrhundert das Martyrium in Fabrateria vetus, dem heutigen Ceccano, erlitten haben. Bis 600 Jahre später seine Knochen in einer Friesischen Kirche landeten, hatte er mit dem Volk an der Nordsee nichts zu tun.
Seine Reste sollen in die Kirche in Esens in Ostfriesland überführt worden sein. Er selbst wurde zum Patron der Friesen. Aber vielleicht wurde er auch mit dem legendären friesischen Helden Magnus Fortemans verwechselt.

In der Kirche
Die Kirche in Rom wurde ab 1756 durch Carlo Murena komplett barockisiert. Murena, ein Schüler des Architekten des Trevibrunnens Nicola Salvi, wirkte ansonten vor allem in Umbrien. Er schuf einen klaren hellen Raum mit einfachem rechteckigem Grundriss. An die mittelalterliche Kirche erinnert nur noch der Glockenturm, der aber zwischen den Nachbarbauten gänzlich verschwindet. Um ihn zu sehen, muss man sich auf die Kuppel des Petersdoms bemühen.

Im Inneren erinnern noch einige alte Inschriften an die lange Geschichte. Unter anderem sieht man links vom Eingang das Fragment der Grabinschrift eines Mannes namens Hebi, eines Friesen, der im Jahr 1004 hier begraben wurde. In der Kirche findet sich auch das Grab des Dresdner Malers Anton Raphael Mengs, dessen Hauptwerk ist in Rom entstand. Mengs war einer der einflussreichsten Künstler des 18. Jahrhunderts, der zwischen 1761 und 1777 auch mehrmals für den spanischen König III. arbeitete. Eine Beziehung zu den Friesen hatte Mengs nicht.
Niederländische Nationalkirche
Im frühen 16. Jahrhundert verbanden die Friesen die theologische Reformation mit ihrem Freiheitswillen. Sie gingen bei der Ablehnung der katholischen Sakramente weiter als Martin Luther. Nach dem Bruch mit Rom gab es keine friesischen Pilger mehr und die Friesenkirche wurde als Santi Michele e Magno eine normale römische Pfarrkirche. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder zum Treffpunkt der friesischen und niederländischen Katholiken. 1992 erkannte sie schließlich Papst Johannes Paul II. als niederländische Nationalkirche an.
Fast ein Viertel der Niederländer sind heute katholisch. Bei den Friesen hingegen sind die Katholiken eine verschwindende Minderheit. Daher findet der Gottesdienst in der Friezenkerk heute nur auf niederländisch statt.
Quellen: Homepage der Kirche, Heiligenlexikon zum Magnus von Trani, Wikipedia zu Anton Raphael Mengs, Turm-Museum Esens, Buch „Ostfriesland„.




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