
Seit kurzem ist eine neue archäologische Stätte in Rom zugänglich. Direkt hinter der Piazza Navona kann man zu den Arkaden des Stadions von Domitian hinabsteigen.
Es gab in Rom nicht nur Gladiatorenkämpfe und Pferderennen. Kaiser Domitian stiftete im Jahr 86 n. Chr. den Agon Capitolinus, der wie die Olympischen Spiele in Griechenland alle vier Jahre stattfand.

Die Kapitolinischen Spiele
Neben leichtathletischen Wettkämpfen umfasste er auch einen Dichterwettbewerb. Für diese Spiele ließ er auf dem Marsfeld ein neues Stadion mit den Ausmaßen 275 x 106 Metern bauen. Ca. 30.000 Zuschauer fanden in dem Stadion Platz.
Es ist nicht mit einem Circus zu verwechseln, wie dem Circus Maximus, oder dem Circus des Maxentius, die für Pferderennen genutzt wurden. Im Stadion gab es keine Spina, die Längsmauer in der Arena auf der u.a. die Obelisken standen. Diese These unterstützt auch eine Münze mit dem Stadion aus dem 3. Jahrhundert. Daher kann auch der Obelisk, der heute den Vierströmebrunnen krönt, nicht von hier stammen. Auch wenn er, wie man aus den Hieroglyphen entziffern kann, ebenfalls für Domitian angefertigt war, wird vermutet, dass er auf dem Platz zwischen den Tempeln für Osiris und Isis stand.

Das Stadion des Domitian
Das Stadion hatte zwei Ränge, dem eine zweigeschossige Arkadenfassade entsprach. Die Haupttore waren an den Längsseiten, ein weiteres in der Längsachse im Norden, Reste sieht man in den Ausgrabungen. Ob es auch an der Südfassade ein Tor gab, ist Spekulation. Diese Seite ist fast unerforscht.
407 n.Chr. sind die letzten Spiele nachgewiesen. Danach verfiel das Stadion und wurde im Mittelalter langsam als Wohnort genutzt. In den nun eröffneten Ausgrabungen sehen wir noch die Balkenlöcher für Zwischendecken, die in die Arkaden eingezogen wurden. Heute ist das Stadion komplett überbaut, doch die Form können wir immer noch genau in der Piazza Navona erkennen. Deren Namen leitet sich vermutlich vom antiken Agon (Wettkampf) her.
Ein Rest des Stadions ist noch in der Krypta der Kirche Sant’Agnese in Agone erhalten. Hier war vermutlich ein Bordell in die Arkaden eingebaut. Ähnliches ist für den Circus Maximus nachgewiesen. Hier soll die Heilige Agnes ihr Martyrium erlitten haben.

Besichtigung der Ausgrabungen
Nun kann man auch in der Via di Tor Sanguigna zum antiken Niveau des Stadions hinabsteigen. 1936 – 38 wurde bei einem Neubau hier ein Teil der Nordwestkurve freigelegt. Doch erst jetzt ist diese Ausgrabung öffentlich zugänglich. Man kann zwischen den Arkaden wandern, durch die einst die Zuschauer zu ihren Sitzplätzen strömten und wo Händler ihre Waren feilboten. Man sieht die Reste der Ausstattung, des Stucks und der Treppen, die zu den oberen Rängen führten. In einem Videofilm wird erklärt, wie das Stadion einst ausgesehen hat. Für die Besucher der Piazza Navona lohnt sich ein Abstecher bei moderaten Eintrittspreisen.
Homepage des Ausgrabungsmuseums
Dokumentation über die Ausgrabungen (italienisch):
Impressionen der Ausgrabungen:






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