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Die Obelisken Macuteo und Matteiano

Das Pantheon und sein Brunnen, 1794, Ferdinando Partini, Metropolitan Museum of Art, New York

Im ersten Jahrhundert nach Christus ließ Kaiser Domitian zwei identische Obelisken aus Ägypten nach Rom bringen, die er mit mindestens vier anderen als Allee vor dem von ihm neu erbauten Tempel der Isis aufstellte. Ursprünglich standen sie vor dem Tempel des Sonnengottes Ra in Heliopolis und wurden im 13. Jahrhundert vor Christus im Auftrag von Ramses II. gefertigt. Wie die meisten Obelisken wurden sie aus Rosengranit aus Assuan gehauen. Sie tragen auf der Spitze, dem Pyramidion, die Kartusche von Ramses.

Im Mittelalter trennen sich ihre Wege.

Der Obelisk Macuteo auf der Piazza Macuto, 1589, Ambrogio Brambilla, Hamburger Kunsthalle

Der Obelisk Macuteo

Einer der Zwillingsobelisken wurde 1374 bei Arbeiten an der Kirche Santa Maria sopra Minerva wieder gefunden. Anders als der Namen der Kirche suggeriert, steht sie nicht über einem Tempel der Minerva, sondern zum großen Teil über den Überresten des Tempels der Isis. Die Verbindung ist naheliegend, denn Isis gilt als Muttergottheit und hat in gewisser Weise Maria den Weg geebnet.

Dieser Obelisk wurde 1404, als vor der nahen kleinen Kirche San Macuto stehend, erwähnt. Diese Kirche ist dem walisischen Heiligen Maclovius, oder Mac’h Low geweiht. Er missionierte in der Bretagne und wurde dort Malo genannt. Er wurde schließlich der erste Bischof von Guich Alit, das nach ihm heute den Namen Saint Malo trägt. Die Kirche in Rom ist eine der wenigen Kirchen außerhalb der Bretagne, die in diesem Fall die italienische Version des Namens trägt. San Macuto wurde jedoch nicht von Bretonen genutzt, sondern von Bürgern der Stadt Bergamo, die sich in Rom aufhielten. 1726 bestimmte der Papst jedoch, dass die Bergamaschi innerhalb von 60 Tagen die Kirche zugunsten der Jesuiten räumen mussten, denen sie bis heute gehört.

Der Obelisk Macuteo auf dem Brunnen vor dem Pantheon

Aufstand gegen den Papst

Vielleicht ist es kein Zufall, dass der Obelisk, der nach Macuto benannt ist, hier aufgerichtet wurde. Am 1. Oktober 1404 starb der bei den Römern sehr unbeliebte Papst Bonifatius IX. Die Römer versuchten daraufhin ein letztes Mal, eine von der Kirche unabhängige Stadtrepublik zu errichten. Der neue Papst Innozenz VII. bekam den Aufstand nicht in den Griff und musste nach Viterbo fliehen. Erst Gregor XII. gelang es die Macht des Heiligen Stuhls in Rom endgültig durchzusetzen.

Anführer des republikanischen Aufstand war die Familie Porcari, die an der nahen Piazza della Pigna residierte. Vielleicht sollte der Obelisk den Freiheitswillen der Römer symbolisieren. Der Zwillingsbruder unseres Obelisk wurde schließlich kurz darauf vor dem Sitz der städtischen Regierung auf dem Kapitol errichtet.

Der Brunnen vor dem Pantheon, Detail, Wasserspeicher

Der Brunnen vor dem Pantheon

Papst Sixtus IV. hatte im 16. Jahrhundert den antiken Aquädukt der Acqua Vergine restaurieren lassen und beauftragte Giacomo della Porta, den Architekten, der gerade die Kuppel des Petersdoms fertiggestellt hatte, mit dem Bau von 18 Brunnen, um die Bewohner der Altstadt mit frischem Wasser zu versorgen. Einer der schönsten davon entstand vor dem Pantheon. Groteske Masken und Delfine spucken von verschiedenen Ebenen aus Wasser in das Brunnenbecken.

1711 ließ Papst Clemens XI. den Brunnen restaurieren und den Obelisken von San Macuto daraufstellen. Dieser trägt seitdem neben dem Kreuz auch den Stern aus dem Wappen des Papstes auf der Spitze.

Auf den meisten anderen Plätzen Roms wäre der Obelisk der Star. Hier stiehlt ihm jedoch der antike Bau des Pantheons die Show. Viele Touristen werden ihn nicht einmal wahrnehmen. Falls Ihr mal dort seid, dreht euch doch einen Moment zu dem Obelisken um, der immerhin fast 1400 Jahre älter ist als das Pantheon.

Santa Maria in Aracoeli, 1532, Marten van Heemskerck, Berliner Kupferstichkabinett, den Obelisk sieht man ganz rechts

Der Obelisk Matteiano

Wir wissen nicht, wann der Zwillingsobelisk wieder gefunden wurde. Doch im Jahr 1407 wird er erstmals als auf dem Kapitolshügel stehend erwähnt. 1532 zeichnete ihn der holländische Maler Marten van Heemskerck noch neben der Kirche Santa Maria in Aracoeli. Doch mit der Neugestaltung des Kapitolsplatz durch Michelangelo wurde er kurz darauf abgebaut.

1582 schenkte die Stadt Rom den Obelisken schließlich dem adligen Kunstsammler Ciriaco Mattei, nachdem dieser mehrmals eindringlich darum gebeten hatte. Er stellte den Obelisken, der seither seinen Namen trägt, in seinem Privatpark auf dem Hügel Celio auf, der heutigen Villa Celimontana. Doch im 18. Jahrhundert verfiel die Villa und der Obelisk stürzte um und verschwand im Gestrüpp.

Erst der spanische Staatsmann Manuel de Godoy, der vor Napoleons Truppen nach Rom geflüchtet war, restaurierte den Park und stellte den Obelisken wieder auf. Leider ist nach seiner wechselvollen Geschichte heute nur noch die obere Hälfte des Obelisken erhalten. Seit 1926 gehört das Anwesen der Stadt Rom und ist ein öffentliche Park, in dem manchmal Konzerte stattfinden.

Quellen: Boris de Rachewiltz: Roma Egizia, Edizione Mediterranee, Rom 1999, Roma Sotterranea zum Obelisken

Der Obelisk Matteiano
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Der Obelisk Matteiano in der Villa Celimontana
Der Obelisk Macuteo auf dem Brunnen vor dem Pantheon

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