
Wenn man über die alte Via Cassia Rom nach Norden Richtung Viterbo verlässt, kommt man durch den Stadtteil Tomba di Nerone. Ein angenehmes ruhiges Viertel, wenn man von der staugeplagten Via Cassia absieht. Seinen eigenartigen Namen, Grab des Nero, hat es von einem großen Marmorsarkophag, der an eben jener Durchgangsstraße steht. Seit dem Mittelalter hielt die Bevölkerung dieses einzelnstehende Monument für die letzte Ruhestätte des Kaisers, der, als vermeintliche erster Christenverfolger, den schlechtesten Ruf der antiken Prominenten genoss. Doch Nero wurde nach seinem Selbstmord im Grab seiner Familie, der Ahenobarbii, an der heutigen Piazza del Popolo beigesetzt.

Doch die falsche Zuweisung des Grabmals lag wohl auch daran, dass die meisten Leute im Mittelalter Analphabeten waren, denn man muss kein Historiker sein um den Namen der wahren Besitzer des Grabes, das zwischen 220 und 240 errichtet wurde, auf der Inschrift zu identifizieren. Publius Vibius Marianus und seine Ehefrau Reginia Maxima fanden hier ihre letzte Ruhe. Allerdings muss man sich zum Lesen auf die Rückseite bemühen, denn die Via Cassia führte, wie man auch an Resten des Basaltpflasters sieht, ursprünglich an der anderen Seite des Sarkophags vorbei.
Alles, was wir über Vibius Marianus wissen, wissen wir von dieser Inschrift. Er hatte seine Karriere im Militär gemacht, wie man auch aus dem Figurenschmuck erraten kann. Die Dioskuren Castor und Pollux an den Seiten sind flankiert von Adlern, wie wir sie von den Standarten der Legionen kennen. An der Frontseite sind Siegesgöttinnen mit Fackeln dargestellt, die an Engel erinnern.

Der Inschrift entnehmen wir, das Vibius Marianus nacheinander in der Legio III Gallica und der Legio II Italica gedient hat. Mit letzterer war er vielleicht an der Inthronisierung des Septimus Severus im Frühjahr 193 beteiligt. Als Kaiser Pertinax in Rom ermordet wurde riefen die Legionen an der Donau Septimus Severus zum Nachfolger aus und mit eben der Legio II Italica zog dieser in Eile über die Alpen, um seinen Anspruch gegen seine Gegner durchzusetzen. Womöglich wurde die Unterstützung dem Vibius Marianus dadurch gedankt, dass er zum Prokurator von Sardinien ernannt wurde. Auch dieses Amt ist in der Inschrift aufgeführt. Sein Monument, das unter falschem Namen berühmt wurde, steht bis heute an der Straße über die Septimus Severus nach Rom einzog.

Inschrift:
D(iis) M(anibus) S(acrum)
P.VIBI [P.] F. MARIANI E.M.V. PROC.
ET PRAESIDI PROV. SARDINIAE P.P. BIS
TRIB. COH. II [PR.] XI URB. IIII VIG. PRAEF. LEG.
II ITAL. P.P. LEG. III GALL. [—] FRUMENT.
ORDIUNDO EX ITAL. IUL. DERTONA
PATRI DULCISSIMO
ET REGINIAE MAXIME MATRI
KARISSIMAE
VIBIA MARIA MAXIMA C.F. FIL. ET HER
Übersetzung:
Den Totengöttern geweiht
Publius Vibius Marianus, Sohn des Publius, Angehöriger des Ritterstandes, Prokurator
und Schutzherr der Provinz Sardinien, zweimal Prokurator (Statthalter),
Tribun der zweiten Prätorianerkohorte, der elften Stadtkohorte, der vierten Vigileskohorte (Feuerwehr), Präfekt der
zweiten Italischen Legion, Zenturio der dritten Gallischen Legion, Zenturio der Frumentarii,
ein gebürtiger Einwohner der italischen Kolonie Julia Dertona,
ein überaus gütiger Vater,
und Reginia Maxima,
einer überaus lieben Mutter, Vibia Maria Maxima, eine hochangesehene Frau, Tochter und Erbin (und Stifterin des Grabmals)
Quellen: romanoimpero.com, Wikisource




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