
Die Kirchen Roms sind voller Grabmäler und Epitaphe für die verschiedensten Menschen aus allen Jahrhunderten. Ganz besonders gilt das für die Basilika Santa Maria Maggiore, in der allein acht Päpste ihre letzte Ruhe fanden. Teilweise in riesigen Kapellen, die, würden sie für sich stehen, prächtige Kirchen wären. Es lohnt sich meist die spannenden Lebensgeschichten zu recherchieren, die sich hinter den Inschriften auf den Grabmälern verbergen.
Die Taufkappelle
In der Papstbasilika wollen wir diesmal jedoch keinen Papst besuchen. Wir begeben uns in die Taufkapelle, gleich rechts nach dem Eingang. Die Kapelle wurde ab 1605 von Flaminio Ponzio für die Kanonikern der Basilika, als sogenannter Winterchor, geschaffen. Ab 1823 überarbeitete Giuseppe Valadier den Raum zum Baptisterium und verwendete u.a. eine antike Brunnenschale aus rotem Porphyr als Taufbecken. Das Relief über dem Altar stammt von Pietro Bernini, dem Vater des berühmten Gianlorenzo Bernini.

Lassen wir jedoch unseren Blick an der linken Wand nach oben schweifen. Dort sehen wir überraschend inmitten eines aufwendigen Epitaphs das Porträt eines schwarzen, afrikanischen Kriegers. Es handelt sich um Antonio Emanuele N‘Vunda, Botschafters des Königreichs Kongo, der am 6. Januar 1608 in Rom starb. Die Skulptur schuf Stefano Maderno, der für die bewegende Darstellung der Heiligen Cäcilia in der ihr geweihten Kirche bekannt ist.
Das Königreich Kongo
Das Königreich Kongo entstand im 14. Jahrhundert. Es erstreckte sich aber nur zu einem Viertel auf Territorium der heutigen Republik Kongo. Drei Viertel lag im heutigen Angola. 1483 entdeckte der portugiesische Seefahrer Diogo Cão die Mündung des Flusses Kongo und nahm auch Kontakt zu König Nzinga auf. Es entwickelte sich eine Handelsbeziehung zwischen Kongo und Portugal, die für fast ein Jahrhundert auf Augenhöhe bestand. Der Kongo lieferte Elfenbein und Kupfer aber auch Sklaven für die portugiesische Kolonie Brasilien. Portugal sandte Missionare. Die Könige des Kongo wurden Katholiken und nahmen portugiesische Namen an. Doch Ende des 16. Jahrhunderts agierten die Missionare immer mehr außer Kontrolle der einheimischen Machthaber und die Portugiesen versklavten nicht nur Nachbarvölker, sondern auch Bürger des Kongoreichs, darunter sogar Adlige.
1604 entsandt daher König Álvaro II. den Adligen Antonio Emanuele N’Vunda nach Rom um den Papst um Unterstützung gegen die Portugiesen zu bitten. Die Mission schlug fehl, das Königreich zerfiel und wurde schließlich zur rechtlosen portugiesischen Kolonie.

Die Reise
N’Vunda startete seine Reise mit einer 26köpfigen Delegation auf einem Sklavenschiff nach Brasilien. Die Winde standen dafür günstiger als für den direkten Weg. Erst von dort stieg er auf ein Schiff Richtung Spanien um. Von dort ging es mühsam nach Italien weiter. Da Philipp III. von Spanien damals auch König von Portugal war, war dieser nicht gerade ein Unterstützer der Reise. Im Januar 1608 erreichte N’Vunda schließlich mit nur noch vier Getreuen Rom. Er litt allerdings bereits unter starkem Fieber und war von der langen Reise gezeichnet. Obwohl Papst Paul V. seinen Leibarzt an das Krankenbett schickte, starb der kongolesische Botschafter nach drei Tagen, ohne den Pontifex persönlich getroffen zu haben. Er wurde mit großen Ehren in Santa Maria Maggiore beigesetzt.

Das Epitaph
Die Büste aus schwarzem Marmor zeigt ihn als Krieger mit einem Köcher voller Pfeile. Ob der Künstler Stefano Maderno N’Vunda tatsächlich sah oder das Porträt seiner Fantasie entspringt, wissen wir nicht. In der Inschrift des Epitaphs wird er als Markgraf Antonio Nigrita bezeichnet. Die Europäer konnten seinen eigentlichen Namen nicht aussprechen. Eigenartigerweise wird Papst Urban VIII. und nicht Paul V. als derjenige benannt, der ihn hier bestattet habe. Offensichtlich eine Fälschung. Urban wurde erst 15 Jahre später zum Papst gewählt und schmückte sich wohl mit fremden Federn.
Die Reise des Botschafters des Kongos markiert aber auch das Ende eines Zeitfensters, in dem die Staaten Europas und Afrikas auf Augenhöhe miteinander verkehrten. Die Afrikaner galten noch nicht als ausschließlich unkultivierte Wilde.
Quellen: italienische Wikipedia, Homepage von Santa Maria Maggiore, Roma Segreta, Africa ExPress



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