
Vignanello in der Provinz Viterbo.
Habt ihr schon die neue Netflixserie „The Decameron“ gesehen? Eine düstere Komödie, etwas schrill überdreht, aber vor allem wegen der Kostüme, Ausstattung und Drehorte sehenswert. Die Serie basiert lose auf dem Decamerone von Giovanni Boccaccio, einer Sammlung von 100 Novellen, die der toskanische Renaissanceschriftsteller zwischen 1349 und 1353 verfasste. Boccaccios Werk hat, wie kaum ein anderes die nachfolgende Literatur beeinflusst und war ein großer Schritt, um die italienische Schriftsprache zu etablieren. Auch Boccaccios Decamerone ist voller deftiger Erotik und deshalb auch in einigen US-Bundesstaaten auf dem Index.
Es spielt, wie die Serie zur Zeit der Pest 1348. Einige Adlige fliehen aus Florenz in ein luxuriöses Landgut und unterhalten sich dort mit Feiern und Intrigen.
Während die Straßenszenen, die in Florenz spielen, im mittelalterlichen Stadtviertel San Pellegrino in Viterbo gedreht wurden, findet man das Landgut im Castello Ruspoli in Vignanello, wenige Kilometer südlich von Viterbo wieder. Vor einiger Zeit haben wir das Schloss und vor allem den Garten, einer der am besten erhaltenen Renaisssancegärten Italiens, besichtigt.

Das Castello Ruspoli
Ursprünglich stand an seiner Stelle ein Benediktinerkloster, das später in eine Festung umgebaut wurde. 1531 gab Papst Clemens VII. dies als Lehen an Beatrice Farnese. Deren Tochter Ottavia brachte den Besitz durch Heirat in die Familie Marescotti. Das Castello wurde 1574 zum Familiensitz umgebaut, wobei der Festungscharakter erhalten blieb. Im 17. Jahrhundert wiederum heiratete Ottavia Orsini in die Familie ein. Ihr Vater war der Urheber des berühmten Gartens der Monster im nahen Bomarzo. Ottavia ließ den wunderschönen Garten anlegen, an dem möglicherweise auch der berühmte Architekt Jacopo Barozzi da Vignola mitwirkte. Der Park mit „Geheimem Garten“ und Labyrinth ist heute wieder in ursprünglicher Form gestaltet.

Die Familie Marescotti Ruspoli
Die Familie Marescotti soll von einem gewissen Mario Scoto, Marius der Schotte, abstammen, der aus dem schottischen Galloway gebürtig war und im Gefolge Karls des Großen nach Italien kam. Er wurde als Dank für seine treuen Dienste mit der Grafschaft Bagnacavallo belehnt. Seine Nachkommen, die in Bologna ansässig waren, nannten sich Marescotti und landeten schließlich in Vignanello.
Die letzte Erbin der berühmten Florentiner Familie Ruspoli, Vittoria Ruspoli, heiratete 1617 Sforza Vicino Marescotti und brachte unter anderem den Palazzo Ruspoli in Rom in die Ehe ein. Ihre Schwägerin war Giacinta Marescotti, eine Nonne, die 1807 heiliggesprochen wurde und der auch die Schlosskapelle geweiht ist.
Vittorias Sohn Alessandro nahm den Namen der Mutter Ruspoli an, um so das Aussterben der berühmten und reichen Familie zu verhindern.

Händel in Vignanello
Alessandro beschäftigte für zwei Jahre Georg Friedrich Händel, der für ihn rund 50 Kantaten und Oratorien schrieb. Für Händel war der Aufenthalt in Rom wohl der künstlerische Durchbruch. Mindestens den Sommer 1707 verbrachte er in Vignanello. Noch immer gibt es im Castello regelmäßig Aufführungen seiner Werke. Die Familie Ruspoli wohnt bis heute im Schloss. Es ist jedoch regelmäßig möglich einige Räume und vor allem den Park zu besichtigen.
Links: Homepage des Castello Ruspoli, Händel in Rom und Vignanello, Netflix-Serie The Decameron




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