Cappella Bessarion in der Basilica dei Santi XII Apostoli

Basilica dei Santi XII Apostoli, Rom

Wenn Sie zwischen der Piazza Venezia und dem Trevibrunnen in Rom unterwegs sind, dann werfen Sie doch auch einen Blick in die Kirche der zwölf Apostel, der Basilica dei Santi XII Apostoli. Es gibt dort ein besonderes Schmuckkästchen. In der Kapelle des Kardinal Bessarion wurde ein Bilderzyklus des Renaissancemalers Antoniazzo Romano wiederentdeckt.

Justus von Gent, Kardinal Bessarion, 1473-1475, Louvre, klicken für ganzes Bild

Bessarion, Humanist aus Byzanz

Im Februar 1438 ging einer der wichtigsten Humanisten des Byzantinischen Reichs in Venedig an Land und sollte in den folgenden 34 Jahren großen Einfluss auf die italienische Renaissance ausüben. Basileios Bessarion, um 1400 in Trapezunt (heute Trabzon) am Schwarzen Meer geboren, wurde von bedeutenden Gelehrten des griechischen Ostens ausgebildet. Er war vor allem ein Anhänger der damals in Westeuropa noch unbekannten Lehren Platons. Der byzantinische Kaiser ernannte ihn 1437 zum Metropoliten von Nizäa, einer der in der Kirchengeschichte wichtigen Städte im Nordwesten der heutigen Türkei, um ihn mit diesem prestigeträchtigen Amt zum Kirchenkonzil zu schicken auf dem er für eine Union der katholischen und orthodoxen Kirche werben sollte. Der Kaiser erhoffte sich Hilfe vom katholischen Europa gegen die Türken, die bereits den größten Teil des einst mächtigen byzantinischen Reichs erobert hatten. Im Juli 1439 wurde die Vereinigung der Kirchen auf Initiative Bessarions tatsächlich unterschrieben, blieb aber in der Folge wegen des Widerstands in beiden Kirchen faktisch wirkungslos. Dennoch beeindruckte Bessarion den Papst so sehr, dass dieser ihn noch im selben Jahr zum Kardinal erhob und ihn bat, seinen Wohnsitz nach Rom zu verlegen, um die Kurie zu unterstützen.

Antoniazzo Romano, Madonna mit Kind, Cappella Mendosi

Förderer der Renaissance

Bessarion besaß die größte Sammlung griechischer Handschriften in Italien, die er an die Republik Venedig vermachte. Allein dadurch sorgte er für die Verbreitung der bis dahin im Westen eher unbekannten Werke griechischer Philosophen. Er förderte auch andere Künstler und war somit einer der Wegbereiter der Renaissance.

In Rom erinnert nicht mehr viel an ihn. An der Via Appia besteht noch ein kleiner Rest seiner Sommerresidenz. In Rom wohnte er im Palast neben seiner Kardinalskirche. Der heutige Palazzo Colonna wurde jedoch später komplett neugebaut. Auch die Basilica Santi XII Apostoli hat heute ein barockes Aussehen. An den Kardinal erinnert innerhalb der Kirche nur ein Epitaph am zweiten Pfeiler links. Sein Grabstein, ursprünglich in seiner Kapelle, befindet sich heute im angrenzenden Kreuzgang und ist in der Regel nicht zugänglich.

Antoniazzo Romano mit Melozzo da Forlì, Fresko in der Cappella Bessarion, Erscheinung des Stiers am Monte Gargano

Cappella Bessarion

Für sein Grab hatte der Byzantiner eine eigene Kapelle errichten lassen und dafür die alte Kapelle der Heiligen Eugenia umgebaut und sie zusätzlich dem Erzengel Michael geweiht.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Cappella Odescalchi davor gebaut, was die Apsiswand der Kapelle des Kardinals letztendlich rettete. Erst 1959 wurde der Hohlraum hinter der Cappella Odescalchi wiederentdeckt mit der Apsiswand, die noch gut erhaltene Fresken birgt.

Bessarion beauftragte hatte ab 1464 Antoniazzo Romano mit der Ausmalung der Kapelle beauftragt. Der Künstler gilt als wichtigster Vertreter der römischen Frührenaissance. Antoniazzo hatte die Hilfe einiger seiner Kollegen und Schüler. Mindestens die Handschrift von Melozzo da Forlì ist erkennbar. Melozzo hatte auch den Chor der Basilika mit Fresken ausgestattet, die durch die Barockisierung verloren gegangen sind. Fragmente, vor allem Engelsköpfe befinden sich heute in der Vatikanischen Pinakothek.

Antoniazzo Romano, Fresko in der Cappella Bessarion, Aubert von Avranches / Ludwig XI. mit Gefolge

Besichtigung der Kapelle

Immer Freitag und Samstag von 9:00 – 12:00 kann die Kapelle seit einigen Jahren wieder besichtigt werden. (Achtung, Stand Sommer 2025 ist die Kapelle wegen Restaurierung geschlossen) Im unteren Teil der Wand sieht man die Kopie einer Madonna mit Kind von Antoniazzo. Das Original befindet sich heute in der Cappella Mendosi, der ersten rechts am Eingang der Basilika. Daneben zwei Heiligenbilder von unbekannten Künstlern, die später dazu kamen und Fresken ersetzen, die Szenen des Lebens Johannes des Täufers zeigten, die wohl schon 1545 nach einer Tiberüberschwemmung verloren waren.

Nun haben wir die Möglichkeit auf eine schmale Empore hinaufzusteigen. Hier sehen wir aus nächster Nähe die zwei wichtigsten Bilder, die zwei Legenden über den Erzengel Michael zum Inhalt haben. Michael ist jeweils durch einen Stier verkörpert.

Auf der linken Seite wird die Erscheinung des Erzengels auf dem Monte Gargano in Apulien thematisiert. Im 5. Jahrhundert sollen Viehzüchter einen Stier verfolgt haben. Als sie ihn vor einer Höhle stellten und mit Pfeilen beschossen, sollen die Pfeile in der Luft umgekehrt sein und trafen die Schützen selbst. Der Bischof der nahen Stadt Siponto fastete und betete daraufhin, bis ihm schließlich der Erzengel Michael erschien und ihn beauftragte eine Kirche zu bauen, die heute noch ein wichtiger Wallfahrtsort ist. Das Bild soll Antoniazzo mit der Hilfe von Melozzo da Forlì gemalt haben.

Antoniazzo Romano, Fresko in der Cappella Bessarion, Disput der Mönche

Beim rechten Bild ist Antoniazzo allein wohl vor allem für die hervorragend ausgearbeiteten Porträts verantwortlich. Es zeigt die Erscheinung des Erzengels, wieder als Stier, in der Normandie. Dieser beauftragte den Bischof Aubert von Avranches mit dem Bau einer Kirche anstelle eines keltischen Heiligtums auf der Insel Mont Tombe. Heute das bekannte Mont-Saint-Michel. Bemerkenswert ist, dass der Bischof die Gesichtszüge des französischen Königs Ludwig XI. trägt. Seine Begleiter sind Kardinal Francesco della Rovere, dessen Karriere von Bessarion gefördert wurde und der 1471 zum Papst Sixtus IV gewählt wurde, und dessen Neffe Giuliano della Rovere, später Papst Julius II und Auftraggeber Michelangelos.

Die Szene ist damit eine Anspielung auf die vergeblichen Mühe König Ludwig zur Befreiung Konstantinopels, symbolisiert durch den angebundenen Stier, zu bewegen. Die franziskanischen (westlichen) und basilianischen (östlichen) Mönche symbolisieren den Wunsch zur Vereinigung der katholischen und der orthodoxen Kirche. Die Ausführung des vom Bischof / König angeführten Zug erinnert an den Zug der Heiligen Könige von Benozzo Gozzoli in Florenz.

Wir haben hier in dem schmalen Raum zwischen den Wänden zweier Kapellen einen Freskenzyklus der Frührenaissance, der seinesgleichen sucht.

Antoniazzo Romano, Fresko im unteren Stockwerk der Cappella Bessarion

Basilica dei Santi XII Apostoli

Beim Verlassen lohnt ein Blick in die Kirche selbst. Die große Basilika steht am nach ihr benannten Platz, Piazza dei Santi Apostoli, der im 18. Jahrhundert einer der elegantesten Plätze Roms war und heute leider zu einem großen Parkplatz degradiert ist. Die Kirche hat eine lange bewegte Geschichte. Wohl schon im 4. Jahrhundert gründete Papst Julius I., der auch das Datum für Weihnachten festlegte, die Basilica Iulii iuxta Forum Traiani. Bereits im 6. Jahrhundert wurde diese durch Papst Pelagius durch eine Kirche ersetzt, die den Aposteln Philippus und Jakobus geweiht war, da damals deren Reliquien in die Kirche überführt worden sein sollen. Später ging dann das Patronat auf alle Apostel über. Von den frühen Kirchenbauten blieben leider keine sichtbaren Spuren. Erst von der Erneuerung der Renaissance ist uns die breite Vorhalle erhalten geblieben, in der Michelangelo vor seiner Überführung nach Florenz bestattet war. Das heutige Aussehen wird ganz vom barocken Bau von Vater und Sohn Francesco und Carlo Fontana bestimmt. Wir kommen in einen mächtigen, wenn auch etwas düsteren Innenraum. Das Altarbild, dass den Tod von Philippus und Jakobus darstellt, soll das größte in Rom sein. Es wurde 1726 von Domenico Muratori aus Bologna geschaffen, einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstler. Besuchen Sie auch noch die weitläufige Krypta. Ihre Ausstattung und die Wandmalereien erinnern an die frühchristlichen Katakomben. Sie wurden allerdings erst 1869 – 71 von Luigi Carimini geschaffen.

In der Nähe befindet sich das kleine Heiligtum der Madonna dell’Archetto.

Quellen: Mariano Armellini: Le Chiese di Roma, Angela Negro in Roma Sacra, 4. Itenerario, Wikipedia, Homepage der Kirche

Basilica dei Santi XII Apostoli, Innenraum
Altarbild von Domenico Muratori, für ganzes Bild klicken
Epitaph für Basileios Bessarion
Antoniazzo Romano, Fresko in der Cappella Bessarion, Engelschor

Hinterlasse einen Kommentar