
Der meditierende Franziskus von Assisi
Quirino Briganti, der Bürgermeister von Carpineto Romano, einem kleinen Ort in den Monti Lepini südöstlich von Rom, ist enttäuscht. Gerne hätte er schon im 400ten Todesjahr des großen Malers Caravaggio dessen Porträt des Heiligen Franziskus in seiner Gemeinde gezeigt. Doch es gibt wichtigere Metropolen, die sich 2010 um die Werke des barocken Künstlers schlugen. Das Bild war in Ausstellungen in Stockholm, Helsinki und Bergen zu sehen. Nach Carpineto ist es bis heute nicht zurückgekehrt.

Maltechnik
Michelangelo Merisi, bekannt als Caravaggio malte den Ordensstifter in einer Pose, die an Shakespeares Hamlet erinnert. Der Erfinder der Hell-Dunkel-Malerei setzte auch bei diesem Werk das Licht meisterhaft ein. Die Szene wird von vorne links, wie mit einem Spot beleuchtet, streift das Gesicht des Franziskus und hebt besonders den Totenschädel hervor. Franziskus sinniert über den Tod. Seine zerrissene Kutte symbolisiert seine Demut. Er muss in seinen letzten Lebensjahren sein, nachdem er bereits die Wundmale Christi erhalten hat, die man bei genauem Hinsehen an seiner Hand erkennt.
Wir wissen wenig über die Geschichte des Gemäldes. Der Maler Orazio Gentileschi berichtete, dass er 1603 seinem Freund und Kollegen eine Mönchsrobe besorgte. So datiert man das Gemälde zwischen 1603 und 1607. Möglicherweise malte es Caravaggio 1606 auf den Gütern der Adelsfamilie Colonna. Caravaggio war dort hin geflohen, da er in Rom wegen des Mordes an Ranuccio Tomassoni gesucht wurde. Auftraggeber war wahrscheinlich Kardinal Pietro Aldobrandini, dessen Familie das benachbarte Carpineto gehörte.
Wieso es so versteckt in der Kirche San Pietro Apostolo in Carpineto aufgehängt wurde, dass man es schließlich vergaß, wissen wir nicht.

Wiederentdeckung
Erst 1968 wurde das Bild dort in einer düsteren Seitenkapelle entdeckt und zur Restaurierung nach Rom gebracht. Dort verschwand es danach im Depot der Galleria Barberini. Eine Rückgabe nach Carpineto lehnte man ab, da es dort keine geeignete Ausstellungsmöglichkeit gäbe.
Mittlerweile hat Carpineto sein Museum im Palazzo Aldobrandini, die Reggia dei Volsci, mit Unterstützung der EU und der Region Latium für 2,5 Millionen Euro auf internationalen Standard gebracht. Rossella Vodret, Museumsleiterin in Rom müsste nun die Möglichkeit der Rückkehr zum Ursprungsort in den Lepinischen Bergen einräumen. Doch stattdessen wurde Franziskus zu den anderen Caravaggios in der Galleria Barberini gehängt.

Die Kopie
Dabei gibt es den Franziskus noch ein zweites Mal in Rom. In der Kapuzinerkirche Santa Maria della Concezione an der Via Veneto in Rom hängt ein Bild, das dem aus Carpineto bis auf den Pinselstrich gleicht. Bis zur Entdeckung in Carpineto hielt man dieses für das Original. Heute gehen die meisten Experten davon aus, dass es ein Schüler Caravaggios anfertigte. Abschließend geklärt ist jedoch noch nicht welches das Original ist. Die Kopie entstand etwa gleichzeitig mit dem Original, wahrscheinlich durch einen Schüler Caravaggios.
Diese Kirche ist übrigens besonders für ihre Gruft berühmt, in der aus unzähligen Knochen verstorbener Mönche absonderliche Skulpturen geschaffen wurden.
In Carpineto hängt eine moderne Reproduktion in der Sala Caravaggio. Trotzdem lohnt sich ein Ausflug, denn die Landschaft der Monti Lepini ist einzigartig.
Quellen und Links:
Museo La Reggia dei Volsci in Carpineto Romano,
Comune Carpineto Romano,
Compagnia dei Monti Lepini
Franziskus im Palazzo Barberini
Franziskus in Santa Maria della Concezione
Arte.it

Museum Reggia dei Volsci in Carpineto Romano
Gallerie Nazionali di Arte Antica – Palazzo Barberini

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